Avocado kennen wir vor allem aus der Küche, Soja wiederum als Bestandteil zahlreicher Lebensmittel. Kaum jemand weiß jedoch, dass sich gerade aus ihren Ölen eine spezifische Stoffmischung gewinnen lässt, die als ASU bezeichnet wird und seit vielen Jahren im Zusammenhang mit Arthrose und der Pflege der Gelenke erforscht wird.
ASU ist nicht einfach Avocado und Soja
Die Abkürzung ASU stammt aus dem Englischen Avocado/Soybean Unsaponifiables – gemeint sind also die unverseifbaren Bestandteile von Avocado- und Sojaöl.
Lassen Sie sich vom Namen aber nicht täuschen. Das bedeutet nicht, dass wir dieselbe Menge dieser Stoffe einfach dadurch erreichen, dass wir mehr Avocado oder Soja essen. ASU ist nur ein bestimmter Teil ihrer Öle, der bei der weiteren Verarbeitung gewonnen wird.
Es enthält eine Mischung natürlich vorkommender Stoffe, vor allem Phytosterine, also pflanzliche Sterine, aber auch weitere fettlösliche Bestandteile. Und genau dieser eher unscheinbare Teil des Avocado- und Sojaöls weckte vor Jahrzehnten das Interesse von Forschern, die sich mit Gelenken beschäftigen.
Warum wird ASU gerade im Zusammenhang mit Gelenken erforscht?
Den Gelenkknorpel kann man sich als glatte und elastische Schicht vorstellen, die dafür sorgt, dass sich die Gelenkflächen bei Bewegung mit minimaler Reibung gegeneinander bewegen und zugleich Belastungen abgefedert werden.
Mit zunehmendem Alter, bei langfristiger Belastung oder bei Arthrose verschiebt sich im Gelenk jedoch allmählich das Gleichgewicht zwischen Aufbau und Abbau seiner einzelnen Strukturen. Arthrose ist daher nicht bloß ein einfacher „Verschleiß des Gelenks“, sondern ein komplexerer Prozess, an dem Knorpel, Knochen und weitere Gewebe des Gelenks beteiligt sind.
Genau einige dieser Prozesse sind Gegenstand der ASU-Forschung. In Laborstudien wird zum Beispiel seine Wirkung auf Stoffe untersucht, die mit dem Knorpelstoffwechsel und mit Entzündungsprozessen zusammenhängen. Anschließend wurde ASU auch in klinischen Studien bei Menschen mit Arthrose untersucht.
ASU gehört zu den SYSADOA. Was bedeutet das eigentlich?
In der Fachliteratur wird ASU zu den sogenannten SYSADOA gezählt – Symptomatic Slow Acting Drugs for Osteoarthritis, also symptomatisch langsam wirkenden Substanzen, die bei Arthrose eingesetzt werden.
Und der wichtigste Teil dieser Bezeichnung ist gerade das Wort langsam.
SYSADOA beruhen nicht auf demselben Prinzip wie gewöhnliche Schmerzmittel, von denen wir eine Wirkung innerhalb weniger Stunden erwarten. Ihre mögliche Wirkung wird bei regelmäßiger und längerer Einnahme beurteilt, in der Regel über einen Zeitraum von Wochen bis Monaten.
Deshalb ist es nicht sinnvoll, das Ergebnis bereits nach wenigen Tagen zu beurteilen und daraus zu schließen, dass sie „nicht wirken“.
Dabei geht es nicht nur um ASU. Zu den bekannten Vertretern dieser Gruppe zählt die Fachliteratur zum Beispiel:
- Glucosaminsulfat,
- Chondroitinsulfat,
- ASU – unverseifbare Bestandteile von Avocado und Soja,
- Diacerein.
Langsam, aber sicher? Bei Gelenken lohnt sich Geduld
Bei Gelenken geht es nicht nur darum, Schmerzen schnell zu unterdrücken. Manche Stoffe wirken auf Prozesse, die mit dem langfristigen Gleichgewicht zwischen Aufbau und Abbau des Knorpels zusammenhängen. Bei ASU wird gerade sein Einfluss darauf untersucht, Prozesse im Zusammenhang mit dem Knorpelabbau zu begrenzen und die Bildung wichtiger Knorpelbestandteile zu unterstützen. Und weil auch diese Prozesse nicht über Nacht ablaufen, muss man auf ein Ergebnis warten.
Ein einzelner Stoff reicht aber nicht
Ob ASU, Glucosamin, Chondroitin oder ein anderer Bestandteil der Gelenkpflege – keiner von ihnen ersetzt einen gesunden Lebensstil.
Für den langfristigen Erhalt der Beweglichkeit sind vor allem regelmäßige, angemessene Bewegung, ausreichende Muskelkraft, ein gesundes Körpergewicht, eine abwechslungsreiche Ernährung und Regeneration wichtig.
Treten zudem anhaltende Schmerzen, Schwellungen, ausgeprägte Steifheit oder Bewegungseinschränkungen auf, sollte die tatsächliche Ursache ärztlich abgeklärt werden. Gelenkschmerzen bedeuten nämlich nicht automatisch Arthrose.
ASU ist also nicht einfach „Avocado und Soja für die Gelenke“. Es handelt sich um eine spezifische Mischung pflanzlicher Stoffe, die ihren Platz in der Arthroseforschung hat und zu den langsam wirkenden Substanzen gehört, bei denen vor allem Regelmäßigkeit und Zeit eine wichtige Rolle spielen.


